Fichtes Moral

•Dezember 16, 2010 • Schreibe einen Kommentar

Pythia und ihr Interpret

In Fichtens Moral sind die richtigsten Ansichten der Moral. Die Moral sagt schlechterdings nichts Bestimmtes – sie ist das Gewissen – eine bloße Richterin ohne Gesetz. Sie gebietet unmittelbar, aber immer einzeln. Sie ist durchaus Entschlossenheit. Richtige Vorstellung vom Gewissen. Gesetze sind der Moral durchaus entgegen.

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Novalis, <Allgemeines Brouillon> N°670

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Das Fichtisieren artistisch treiben

•Dezember 16, 2010 • Schreibe einen Kommentar

Bellerophontes auf Pegasos

Es wäre wohl möglich, dass Fichte Erfinder einer neuen Art zu denken wäre – für die die Sprache noch keinen Namen hat. Der Erfinder ist vielleicht nicht der fertigste und sinnreichste Künstler auf seinem Instrument – ob ich gleich nicht sage, daß es so sei. –  Es ist aber wahrscheinlich, dass es Menschen gibt und geben wird, die weit besser Fichtisieren werden, als Fichte. Es können wunderbare Kunstwerke hier entstehen – wenn man das Fichtisieren erst artistisch zu treiben beginnt.

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Novalis, Logologische Fragmente [a], N° 11

Ich gleich Nichtich

•Dezember 16, 2010 • Schreibe einen Kommentar

selbst

Ich = NichtIch – höchster Satz aller Wissenschaft und Kunst.

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Novalis, Logologische Fragmente [a], N°83

Der Urtyp der Ironie…

•Dezember 7, 2010 • Schreibe einen Kommentar

…ist die willkürliche Vertauschung von Anschauung und Reflexion.

weiter….

Aktuelle Romantik.

•Dezember 1, 2010 • Schreibe einen Kommentar

Vorfreude auf den „internationalen

Romantik-Export“

Constanze Alt
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena
01.12.2010 10:01


Australisch-deutscher Workshop zur Aktualität der Romantik am 9. Dezember an der Universität Jena

Das moderne Individuum muss sich in einem prekären Gefüge zurechtfinden, das der Soziologe Ulrich Beck als „Risikogesellschaft“ beschreibt. Dafür hätten Ludwig Tieck, August Wilhelm und Friedrich Schlegel oder Novalis bereits Ende des 18. Jahrhunderts ein Gespür besessen, sagt Prof. Dr. Klaus Vieweg von der Universität Jena. Mit diesen Protagonisten der Jenaer Romantik, aber auch mit Johann Gottlieb Fichte, ihrem philosophischen Vater, und mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der die romantischen Gedanken produktiv-kritisch aufnahm, beschäftigt sich ein interdisziplinäres und transkulturelles Kooperationsprojekt der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Monash-University Melbourne. Um „Die Aktualität der Romantik“ ist es den australischen und deutschen Philosophen und Literaturwissenschaftlern auch im gleichnamigen Workshop zu tun, der am 9. Dezember ab 9 Uhr im Senatssaal der Universität Jena (Fürstengraben 1) abgehalten wird.

Organisatoren sind Prof. Dr. Klaus Vieweg vom Institut für Philosophie und Junior-Professorin Dr. Yvonne Förster, die in Jena promoviert wurde, mittlerweile aber an der Leuphana-Universität Lüneburg tätig ist. Beide gehören gemeinsam mit den Jenaer Wissenschaftlern Dr. Ralf Beuthan und Claudia Wirsing sowie ihren australischen Mitstreitern Prof. Dr. Franz-Josef Deiters und Prof. Dr. Andrew Benjamin zu den Initiatoren des seit 2008 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Projekts.

Unter den Referenten des Workshops finden sich Literaturwissenschaftler und Philosophen aus beiden Nationen. Das Programm ist zu finden unter: www.ifp.uni-jena.de/.

Doch worin besteht sie nun eigentlich, jene Aktualität der Romantik? Wie Prof. Vieweg und Dr. Förster erklären, prägten die Romantiker spezielle, miteinander vernetzte Schlüsselbegriffe der Natur, der Autonomie der Kunst, der Arbeit und Produktivität sowie der Bildung. Allerdings seien diese für die Moderne so wegweisenden Konzepte in die Krise geraten, wie die Jenaer Philosophen am Beispiel der Arbeit veranschaulichen. Definierte sich das Individuum vormals über die traditionell mit dem Begriff der Produktivität verknüpfte Arbeit, entkoppeln sich beide Begriffe mehr und mehr, steht die bezahlte Erwerbsarbeit an sich zur Disposition. Für den Einzelnen stellt sich die Frage, worüber er sich stattdessen definieren kann. Taugen produktivitätsfreie Tätigkeiten wie das Erziehen oder die gemeinnützige Arbeit zur Identitätsstiftung? Daraus resultiere im Duktus romantischer Vernetzung die Überlegung, welche Konsequenzen sich für die Bildung ergeben.

Widmen sich die Philosophen vor allem den Schlüsselbegriffen der Romantik, befragen die Literaturwissenschaftler diese auf ihren literarischen Darstellungsaspekt. „Friedrich Schlegel“, sagt Vieweg, „sprach von Transzendentalpoesie, also von der Vereinigung von Philosophie und Literatur.“ Es gehe nicht zuletzt darum, in welchem Medium Erkenntnis dargestellt werde, ergänzt Förster. Eine Erzählung sei ihrem Wesen nach dominant literarisch, ein Traktat philosophisch. Im Fragment oder Essay etwa finden Philosophie und Literatur – ganz im Sinn der auf Universalität und Interdisziplinarität ausgelegten Romantik – zusammen.

Weil das Romantik-Projekt ebenso wie die Romantik selbst im Zeichen von Vernetzung steht, kooperiert es mit dem an der Uni Jena ansässigen Vorhaben „Bildung zur Freiheit. Zeitdiagnose und Theorie im Anschluss an Hegel“. Es handelt sich um eine interdisziplinäre Forschergruppe – mit Mitwirkenden aus der Soziologie, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Kultur und Bildung sowie Philosophie.

Wenn im kommenden Jahr die DAAD-Förderung auslaufen wird, wollen die Wissenschaftler weiterhin innerhalb eines internationalen Netzwerkes mit Partnern zusammenarbeiten (u. a. aus den USA, Japan, Italien, Großbritannien). Einen Vorgeschmack darauf bieten zwei große Tagungen im kommenden Jahr, im März in Melbourne und im Herbst die Abschlusstagung in Florenz, wo die Monash-Universität eine Dependance hat. Die Zukunft steht im Zeichen der Vorfreude – auf einen „internationalen Romantik-Export“.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Vieweg
Institut für Philosophie der Universität Jena
Zwätzengasse 9, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944120
E-Mail: klaus.vieweg[at]uni-jena.de

Schwebende Realität.

•Oktober 29, 2010 • Schreibe einen Kommentar

Frei sein ist die Tendenz des Ich – das Vermögen, frei zu sein, ist die produktive Imagination – Harmonie ist die Bedingung ihrer Tätigkeit – des Schwebens zwischen Entgegengesetzten. Sei einig mit dir selbst ist also Bedingungsgrundsatz des obersten Zwecks: zu sein, aber frei zu sein. Alles Sein, Sein überhaupt ist nichts als Freisein – Schweben zwischen den Extremen, die notwendig zu vereinen und notwendig zu trennen sind. Aus diesem Lichtpunkt des Schwebens strömt alle Realität aus – in ihm ist alles enthalten – Objekt und Subjekt sind durch ihn, nicht er durch sie.

Ichheit oder produktive Imaginationskraft, das Schweben bestimmt, produziert die Extreme, das wozwischen geschwebt wird. Dieses ist eine Täuschung, aber nur im Gebiete des gemeinen Verstandes. Sonst ist es etwas durchaus Reales; denn das Schweben, seine Ursache, ist der Quell, die Mater aller Realität, die Realität selbst.

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aus: Novalis, „Fichte-Studien“; in: Gesammelte Werke, Herrliberg-Zürich 1945, Bd. 2; S. 170

Kunst entzweit den Menschen.

•September 26, 2010 • Schreibe einen Kommentar

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Kunst entzweit den Menschen.

Schiller

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Kitsch lässt ihn ganz bei sich sein – und sich dabei gefallen.

Vor dem Beginn der Moderne in der Romantik gab es keinen Unterschied von Kunst und Kitsch. Es gab lediglich gelungene und weniger gelungene Werke; gelungen nach der aufgewandten Kunstfertigkeit und gelungen nach dem darin waltenden Geschmack. Der Geschmack mochte mehr oder weniger gebildet sein – doch allein danach ließ sich ein guter von einem schlechten Geschmack unterscheiden.

Erst als die Menschen, nämlich die modernen Menschen ihre Entzweiung mit sich als ihre aufgegebene Bestimmung zu erachten begannen, konnten die Werke nach aufreizenden und nach versöhnenden unterschieden werden.

Der mit sich entzweite Mensch ist der reflektierende Mensch – das mit freiem Willen begabte souveräne bürgerliche Subjekt, das sich einer ganzen Welt gegenüber gestellt sieht; ohne zu wissen, was es dort verloren hat. Wer immer von den Zumutungen einer entzweiten Existenz Entspannung sucht, wird zu den versöhnenden Werken der Künstler greifen. Wann immer einer daraus einen Habitus werden lässt, kommt ein Kitschmensch zur Welt.

Nicht zuviel Schönheit macht den Unterschied. Sondern es gibt eine Schönheit, bei der einem nur wohl ist; und eine Schönheit, die einen außer sich bringt, und das kann auch eine Dvorak-Symphonie und auch ein Sonnenuntergang.

Wo das Selbst sich gefällt, ist Kitsch, und wo das Andre überwältigt, ist Kunst.

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PS. Schillers Unterscheidung zwischen anspannender und schmelzender Schönheit bedeutet etwas anderes; aber vielleicht nicht etwas ganz anderes?